Smart Wohnmobil mit Home Assistant – meine Lösungen im Alltag

Smart Wohnmobil mit Home Assistant – meine Lösungen im Alltag

Eigentlich ist mein Smart WoMo nie als großes Projekt geplant gewesen.

Am Anfang waren es einzelne Dinge, die ich verbessern wollte. Die Beleuchtung war mir abends zu hell, der Batteriestand ließ sich nur umständlich beurteilen und für manche Informationen musste ich verschiedene Apps öffnen.

Aber ich tüftle eben auch gerne.

Wenn mir eine Idee kommt, überlege ich, wie ich sie umsetzen könnte. Dann wird recherchiert, ausprobiert, programmiert und manchmal auch wieder etwas geändert, bis es so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Und genau das macht mir Spaß. Besonders dann, wenn aus einer Idee eine Lösung wird, die anschließend tatsächlich im Wohnmobil zum Einsatz kommt.

So ist im Laufe der Zeit aus vielen kleinen Projekten ein ziemlich umfangreiches Smart-WoMo-System geworden.

Heute kann ich die Beleuchtung mit Siri per Sprache steuern, sehe auf dem Dashboard-Tablet, wie es um Batterie, Solar und Gas bestellt ist, und bekomme Informationen über unsere Heizung direkt aufs Smartphone. Manche Dinge funktionieren inzwischen sogar ganz automatisch.

Braucht man das alles unbedingt, um mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein? Natürlich nicht.

Aber vieles macht den Alltag angenehmer, manches hilft dabei, Probleme frühzeitig zu erkennen, und einige Funktionen sind einfach entstanden, weil ich wissen wollte, ob ich sie umsetzen kann.

Im ersten Teil dieser Serie habe ich erzählt, wie alles angefangen hat. Diesmal möchte ich zeigen, was mein Smart WoMo inzwischen kann, welche Lösungen sich für uns unterwegs bewährt haben und warum mir nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Weg dorthin so viel Spaß macht.

Dashboard für Home Assistant in meinem Eingangsbereich

Home Assistant im Wohnmobil – alles an einem Ort

Das Herzstück meines Smart WoMo ist Home Assistant. Die kostenlose Open-Source-Software läuft auf einem Raspberry Pi und verbindet Geräte und selbst entwickelte Lösungen, die ursprünglich gar nichts miteinander zu tun hatten.

Genau diese Freiheit gefällt mir. Ich kann verschiedene Hersteller kombinieren, eigene Sensoren einbinden und Funktionen entwickeln, die zu unserem Wohnmobil passen.

Im Eingangsbereich hängt seitlich am Küchenschrank ein Tablet das mir als Dashboard dient. Dort sehe ich die wichtigsten Informationen und kann beispielsweise Licht, Heizung und verschiedene Automatisierungen bedienen. Weitere Ansichten zeigen mir Batterie, Solar, Gas und die elektronische Wasserwaage.

Unterwegs nutze ich dafür mein Smartphone. Einige ausgewählte Informationen und Funktionen kann ich über die offizielle Home-Assistant-App auch auf dem Navigationsdisplay unseres Wohnmobils nutzen – dank Apple CarPlay.

Eine wichtige Grundlage dafür ist eine möglichst durchgehende Internetverbindung im Wohnmobil. Dafür habe ich ein fest verbautes 5G-Modem mit eigener SIM-Karte und Außenantenne installiert. Es stellt uns unterwegs ein eigenes WLAN im Wohnmobil zur Verfügung.

Das nutzen wir nicht nur für Smartphones und Tablets. Auch unser Fernsehen läuft über das Internet. Für mein Smart WoMo ist die Internetverbindung besonders wichtig, weil ich damit auch von außerhalb des Wohnmobils auf Home Assistant zugreifen kann. Dafür nutze ich Home Assistant Cloud (Nabu Casa). So kann ich beispielsweise direkt vom Golfplatz aus kontrollieren, wie es um unsere Batterie bestellt ist, oder die Heizung vor unserer Rückkehr einschalten.

So kann ich beispielsweise auf dem Golfplatz nach der Temperatur im Wohnmobil schauen, die Heizung vor unserer Rückkehr einschalten oder kontrollieren, wie es um die Batterie bestellt ist. Auch der Blick auf die Innenkamera ist dadurch von unterwegs möglich.

Das Internet ist damit inzwischen fast so etwas wie die unsichtbare Verbindung zwischen unserem Wohnmobil und mir. Im Alltag denke ich kaum darüber nach – viele der Funktionen, die ich heute selbstverständlich nutze, wären aus der Ferne ohne diese Verbindung aber nicht möglich.

Dashboard – Lichtsteuerung

Dashboard – Heizungssteuerung

Besonders praktisch finde ich die Verbindung mit Apple Home. Über die HomeKit Bridge von Home Assistant kann ich ausgewählte Funktionen auch per Siri steuern.

Ein „Siri, Gute Nacht“ reicht beispielsweise aus, um die Beleuchtung auszuschalten, das Tablet in den Dunkelmodus zu versetzen, die Badbeleuchtung für die Nacht einzustellen und das Spiegeldisplay auszuschalten.

Natürlich könnte ich das alles einzeln erledigen. Aber warum sollte ich, wenn es auch einfacher geht?

Und wenn mir morgen eine bessere Lösung einfällt, kann ich sie wieder verändern. Genau das ist für mich einer der größten Vorteile.

Licht, Heizung und Automatisierungen im Alltag

Ein gutes Beispiel ist unsere Beleuchtung.

Die serienmäßigen LED-Lampen sind ordentlich hell. Beim Kochen oder Putzen ist das prima, für einen gemütlichen Abend aber nicht unbedingt.

Früher haben wir deshalb zusätzlich kleine batteriebetriebene Lampen benutzt. Inzwischen kann ich fast alle Lampen individuell dimmen und verschiedene Lichtszenen aufrufen.

Morgens sorgt „Guten Morgen“ für dezentes Licht in der Küche. Abends macht das Ambientelicht den Sitzbereich gemütlich. Und wenn wir etwas suchen oder das Wohnmobil putzen, gibt es das Flutlicht.

Helle Arbeitsbeleuchtung im Innenraum meines Wohnmobils

Lichtsteuerung – Arbeitsbeleuchtung

Gedimmte Ambientebeleuchtung im Sitzbereich meines Wohnmobils

Lichtsteuerung – Ambientebeleuchtung

Noch interessanter finde ich die kleinen Automatisierungen.

Öffnen wir die Schiebetür zum Bad, geht automatisch Licht an und später wieder aus. Nachts bleibt es dabei angenehm dunkel, weil nur eine schwache Beleuchtung eingeschaltet wird.

Auch unser Begrüßungslicht gehört zu meinen Lieblingsfunktionen. Wir stehen häufig auf Golfplätzen, wo es abends manchmal ziemlich dunkel ist. Wenn wir uns dem Wohnmobil nähern, schaltet sich das Licht automatisch ein. Das ist praktisch, wenn man mit vollen Händen zurückkommt. Ich gebe aber zu: Es macht mir auch einfach Spaß, wenn uns das Wohnmobil schon mit Licht empfängt.

Ähnlich bequem ist inzwischen die Steuerung unserer Truma-Heizung.

Wenn wir bei kaltem Wetter Golf spielen, kann ich die Heizung bereits vor unserer Rückkehr einschalten. Und beim Warmwasser habe ich Programme für das Spülen und Duschen eingerichtet. Das Wasser wird auf die gewünschte Temperatur gebracht und die Aufheizung anschließend beendet. Ist das Duschwasser bereit, bekomme ich eine Nachricht auf mein Smartphone.

Auch für kalte Standzeiten habe ich eine temperaturabhängige Heizungssteuerung eingerichtet. Sie unterstützt meinen Frostschutz, ersetzt aber nicht die notwendige Kontrolle und Vorbereitung des Wohnmobils bei Frost.

Es sind viele kleine Dinge. Für sich genommen ist keines davon revolutionär. Aber zusammen machen sie unseren Alltag unterwegs angenehmer.

Batterie, Solar, Gas und Heizung im Blick

Neben dem Komfort gibt es einen Bereich, der mir besonders wichtig ist: Ich möchte wissen, wie es um unsere Versorgung steht. Gerade wenn wir mehrere Tage ohne Landstrom unterwegs sind, interessiert mich nicht nur, wie voll unsere Batterie ist. Ich möchte vor allem wissen, wie lange sie voraussichtlich noch durchhält.

Früher hatte ich dafür verschiedene Anzeigen und Apps. Das Batteriemanagementsystem lieferte Informationen zur LiFePO4-Batterie, die Solaranlage hatte ihre eigene Anzeige und das serienmäßige Wohnmobilpanel zeigte nur einen ungefähren Ladezustand.

Heute laufen diese Informationen in Home Assistant zusammen.

Eine selbst entwickelte Berechnung berücksichtigt unter anderem den bisherigen und den aktuellen Stromverbrauch. Daraus ergibt sich eine geschätzte Restlaufzeit der Batterie. Natürlich kann sich diese Prognose ändern, wenn wir mehr Strom verbrauchen oder die Solaranlage wieder ordentlich Energie liefert. Trotzdem hilft mir die Anzeige wesentlich mehr als eine reine Prozentangabe.

Auch die Batterieladung am Landstrom habe ich automatisiert, damit ich bei längeren Standzeiten einen gewünschten Ladebereich vorgeben kann.

Home-Assistant-Anzeige mit Batterieladezustand, Restlaufzeit und Solarleistung

Beim Gas war die Ausgangssituation noch etwas umständlicher.

Unsere beiden Gasflaschen sind nicht besonders bequem zugänglich. Früher habe ich sie deshalb vor allem nur vor längeren Reisen mit einer Gepäckwaage kontrolliert.

Heute erfasse ich den Füllstand beider Gasflaschen kontinuierlich und kann ihn direkt auf dem Tablet oder Smartphone ablesen.

Die automatische Umschaltung zwischen den Flaschen übernimmt weiterhin die Truma DuoControl. Meine eigene Lösung zeigt mir, wie viel Gas noch vorhanden ist.

So kann ich rechtzeitig eine Flasche tauschen, statt irgendwann nachts überrascht zu werden. Eine Verbrauchsprognose und zusätzliche Gaswarnungen möchte ich später noch ergänzen.

Füllstandsanzeige der beiden Gasflaschen in meinem Smart WoMo

Ein kaltes Wohnmobil und eine neue Idee

Warum mir die Überwachung der Heizung wichtig ist, hat auch mit einer konkreten Erfahrung zu tun.

Wir hatten einmal einen Abend mit Freunden in deren Wohnmobil verbracht. Als wir später zurückkamen, war unser eigenes Wohnmobil eiskalt. Unsere Truma-Heizung war während unserer Abwesenheit ausgefallen, ohne dass wir es bemerkt hatten. Das war ärgerlich. Vor allem, weil wir vielleicht noch hätten reagieren können, wenn wir den Fehler rechtzeitig mitbekommen hätten.

Heute überwache ich deshalb auch den Betriebszustand der Truma und kann bei Fehlern eine Nachricht auf mein Smartphone bekommen. Zusätzlich erfasse ich die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit im Wohnmobil. Das ist auch dann hilfreich, wenn Bella einmal alleine im Wohnmobil bleibt. Allerdings ist mir bewusst, dass eine solche Überwachung keine Garantie für sichere Temperaturen bietet. Schließlich können auch die Technik oder die Internetverbindung einmal ausfallen.

Über eine Innenkamera kann ich bei Bedarf nachsehen. Sie wird abhängig von unserer Anwesenheit automatisch ein- und ausgeschaltet, damit sie nicht ständig aktiv ist.

All diese Funktionen können Probleme nicht verhindern. Aber sie helfen mir, wichtige Dinge im Blick zu behalten und Veränderungen früher zu bemerken.

Elektronische Wasserwaage und Kameras im Wohnmobil

Manche meiner Lösungen sind aus ganz alltäglichen Situationen entstanden.

Nehmen wir das Ausrichten unseres Wohnmobils.

Früher habe ich dafür eine kleine Wasserwaage benutzt und anschließend geschätzt, wie weit wir mit den Rädern auf die Auffahrkeile fahren müssen.

Heute zeigt mir meine elektronische Wasserwaage den erforderlichen Höhenausgleich für die einzelnen Räder in Zentimetern an. Zusätzlich wird die passende Stufe der Auffahrkeile berechnet.

Besonders praktisch: Über Apple CarPlay kann ich mir die Informationen direkt auf dem Navi-Display anzeigen lassen.

Elektronische Wohnmobil-Wasserwaage mit Höhenausgleich auf dem Navi-Display

Elektronische Wohnmobil-Wasserwaage mit Höhenausgleich auf dem Navi-Display

Eine andere Idee betrifft die Sicht nach hinten.

Da unser Wohnmobil keine Heckscheibe hat, fehlt mir die gewohnte Sicht durch den Innenspiegel. Deshalb habe ich ein Spiegeldisplay eingebaut und eine zusätzliche Heckkamera installiert, deren Bild während der Fahrt auf einem Spiegeldisplay angezeigt wird.

Und weil Kameras an manchen Stellen wirklich hilfreich sein können, habe ich noch eine unter dem Wohnmobil angebracht. Damit kann ich beim Entleeren des Grauwassertanks besser erkennen, ob der Ablauf über dem Gulli steht.

Spiegeldisplay mit Bild der Heckkamera in meinem Wohnmobil

Spiegeldisplay mit Heckkamera

Kamerabild zur Positionierung des Wohnmobils über dem Grauwasserablauf

Spiegeldisplay mit Grauwasser-Kamera

Das sind keine Funktionen, die jedes Wohnmobil unbedingt braucht. Aber genau solche Lösungen finde ich spannend: Ein kleines Problem, eine Idee und irgendwann funktioniert es tatsächlich.

Fertig ist mein Smart WoMo noch lange nicht

Auch wenn inzwischen einiges funktioniert, fallen mir immer wieder neue Dinge ein.

Als Nächstes möchte ich beispielsweise unsere Frischwasserversorgung besser überwachen. Neben dem Füllstand interessieren mich der tatsächliche Verbrauch und die Frage, wie lange der Vorrat noch reichen könnte.

Auch die Gasüberwachung soll noch erweitert werden.

Eine weitere Idee ist ein automatischer Abfahrtscheck. Dabei könnte das System vor der Fahrt bestimmte Zustände kontrollieren und mich auf Dinge aufmerksam machen, die ich noch erledigen muss.

Ob und wie ich das umsetze, wird sich zeigen. Denn eines habe ich bei meinen bisherigen Projekten gelernt: Nicht jede technische Möglichkeit ist automatisch eine sinnvolle Funktion.

Trotzdem wird mir das Ausprobieren wahrscheinlich nicht langweilig werden.

Mein Fazit: Was bringt Home Assistant im Wohnmobil?

Natürlich könnten wir auch ohne Home Assistant mit unserem Wohnmobil reisen.

Aber ich finde es angenehm, viele Informationen an einer Stelle zu haben, Funktionen einfacher bedienen zu können und bei bestimmten Problemen frühzeitig informiert zu werden.

Dazu kommen die kleinen Erleichterungen im Alltag. Und dann ist da noch die Freude daran, etwas selbst entwickelt zu haben.

Wenn eine Idee nach einigem Ausprobieren endlich funktioniert und sich später im Wohnmobil bewährt, ist das für mich ein großer Teil des Spaßes.

Genau deshalb wird mein Smart WoMo vermutlich nie wirklich fertig sein.

In diesem Beitrag wollte ich einen Überblick geben, was heute bereits funktioniert und welchen Nutzen wir davon haben.

In den nächsten Teilen der Serie werde ich einzelne Lösungen genauer vorstellen – mit der verwendeten Technik, meiner konkreten Umsetzung und den Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe.